Ausstellung Cover Art: Geburtsstunde berühmter Plattencover

Die Ausstellung Cover Art im MIK (Museum Information Kunst) in Ludwigsburg zeigt den Werdegang legendär gewordener Plattencover und huldigt der Sleeve-Art als Kunstform. Dafür bringt sie Werke von Andy Warhol, Gerhard Richter und A.R. Penck zusammen.

Billie Holiday war um das Jahr 1951 bereits über dem Zenit ihrer Karriere.  Heroinsucht, Demütigungen wegen ihrer Hautfarbe, musikalischer Mainstream setzten der legendären Jazzsängerin zu. Andy Warhol war um das Jahr 1951 gerade auf dem Weg zu seiner Karriere. Neben Gelegenheitsjobs versuchte er, sich mit Tuschezeichnungen einen Namen zu machen. Die Factory, Glamour und Kommerzialisierung waren zu diesem Zeitpunkt für den Mitbegründer der Pop-Art noch nicht zu erträumen. Um das Jahr 1951 kreuzen sich die Wege der beiden außergewöhnlichen Künstler. Der junge Warhol entwarf für Holiday das Cover für ihr Album Volume 3. Mit Kugelschreiber zeichnete er die Sängerin mit gefalteten Händen, ihre Musiker und ihren Namen in Minuskeln. Die Collage ist mit orange- und pinkfarbener Tusche koloriert. Verwendet wurde das durch seine Einfachheit bestechende Cover nie. Zu sehen ist es jedoch derzeit im Kunstverein Ludwigsburg.

wuerzburg1
Der Ausstellungsraum im Kunstverein. Neben Gemälden, Zeichnungen und Fotografien sind auch Skulpturen zu sehen.

55 Exponate hat der Kunstverein zusammengebracht. Herausragend sind dabei Grafiken, Zeichnungen und Gemälde von Klaus Voormann und Mati Klarwein, die  Sleeves von den Beatles, Yes oder Santana schmücken. Interessant sind auch die Polaroid-Studien von Andy Warhol, die im Vorfeld zum legendär gewordenen Sticky Fingers-Cover der Rolling Stones entstanden. Dazu sind in dem Raum einige Werke von Wes Benscoter ausgestellt, die die Alben von Death-und Trash-Metal-Bands wie Kreator, Hypocrisy und Autopsy illustrieren.

Klaus Voormann, Turbo Negro, Snake, 2003.

Gelungen ist vor allem die Präsentation von Objekten aus der Sammlung des Musikproduzenten Siggi Loch, der das Label ACT gründete. Die Arbeiten, die eigens für einzelne Jazz-Cover gestaltet wurden, umfassen beispielsweise ein großformatiges Gemälde von Katharina Grosse, eine bunte Sternen-Skulptur von Jiri Geller oder Arbeiten aus der goldenen Reihe von Robert Longo. Wünschenswert wäre hier eine Hängung neben den fertigen Schallplatten gewesen, so dass der Besucher die Gestaltung auf den Sleeves mit dem originalen Kunstwerk vor Augen hat.

Zusätzlich runden die Schau Objekte von Gerhard Richter und Nam June Paik ab. Richter gestaltete mit Acrylfarbe eine Vinylscheibe – Bachs Goldberg Variation und der südkoreanische Künstler schuf eine Plastik aus Platten, Kassetten und Kopfhörern.

Fazit:

Die Ausstellung zeigt, wie Plattencover im Laufe der Geschichte seit den 1950er Jahren eine immer größere Bedeutung für das Marketing und den Vertrieb der Musikalben eingenommen haben. Der etwas provokante Titel „Cover Art – eine aussterbende Gattung“ entkräftet sich nicht zuletzt durch die Werke aus der Sammlung ACT Art Collection. Einhergehend mit der Wiederauferstehung des Vinyls erlebt das Albumcover-Design heute wieder eine Renaissance.

Infos:

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Februar im Kunstverein Ludwigsburg zu sehen.

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag: 11.00 – 18.00 Uhr
Donnerstag: 11.00 – 21.00 Uhr
Feiertage: 11.00 – 18.00 Uhr

Eintritt:

3,50 € / 2,00 €

Links:

Homepage des Kunstvereins Ludwigsburg

Interview mit Klaus Voormann

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s