Ausstellung: Total Records zeigt Vinyl & Fotografie

Ein Zebrastreifen, ein schwimmendes Baby, ein nackter Mann auf einer Orchidee. Fotografien, die zu Ikonen wurden und Musik ein Bild gaben. In der Schweiz wird den Plattencovern nun eine große Ausstellung gewidmet. Eine Geschichte der Fotografie im Prisma der Vinylscheibe.

Fotomuseum Winterthur, Total Records, Vinylorchids
Der Flyer zu der Ausstellung Total Records im Fotomuseum Winterthur.

Der Zebrastreifen und Abbey Road der Beatles, das schwimmende Baby und Nirvanas Nevermind – Plattencover haben Musikalben zu Ikonen gemacht. Über einen Wiedererkennungswert hinaus haben sie Identität gestiftet und Bild wie Inhalt untrennbar miteinander verknüpft. Meisterwerke auf 31,5 x 31,5 cm.

Puristische Hängung lässt Bildern Wirkungsraum

Die Ausstellung war im vergangenen Jahr auf dem Fotofestival Rencontres in Arles (Website)zu sehen. Nun hat Thomas Seelig, Direktor des Fotomuseum Winterthur, die Schau in die Schweiz gebracht. Im White Cube sind in Doppelreihen Originalplatten gehängt. So haben die Bilder in der auf das Minimum reduzierten Umgebung genügend Raum, ihre Wirkung zu entfalten.

Die Ausstellung zeigt nicht nur, wie die Musik die Gestaltung der Sleeves bedingt. Es wird auch die Geschichte der Plattencover erzählt. Die Entwicklung des Formats als eigenes Sujet durch den Lauf der Zeit.

500 Sleeves haben die Kuratoren Antoine de Beaupré, Serge Vincendet und Sam Stourdzé zusammengestellt. Fast ebensoviele Fotografen, Designer und Maler sind in der Ausstellung zu sehen. Die Liste der Künstler in der Ausstellung liest sich wie ein Who is Who der besten Fotografen. Richard Avedon, David Bailey, Anton Corbijn, David LaChapelle, Annie Leibovitz, …. Selbst eine Auswahl der größten Namen zu treffen scheint hier fast unmöglich.

Dabei werden nicht nur die Cover gezeigt, sondern auch die Entstehungsgeschichten hinter den quadratischen Kunstwerken offenbart.

Jean-Baptiste Mondinos Artwork für das 1988 erschienene Album Lovesexy von Prince ist ausgestellt. Das Artwork zeigt den nackten Künstler auf Orchideen sitzen, die Blütenstempel sind prominet gesetzt. Das Werk erreichte Kultstatus – Grund war auch das provokante Design, das gerade im prüden Amerika hohe Wellen schlug. Dazu erklärt sich der Fotograf in einem Video und gibt die Entstehungsgeschichte des Bildes wieder.

Prince, Lovesexy, Vinylorchids
Mondino fotografierte Prince für sein Album Lovesexy. In Amerika lief es wegen der nackten Haut oft nur unter der Ladentheke.
Verschiedene Sektionen zu vielfältigen Genres – und Verboten

Blue Note Records wird eine ganze Wand gewidmet. So kann das visuelle Programm des legendären Jazz-Labels verfolgt werden und die Identität, die mit der Gestaltung kreiert wurde, erkannt. Kein Wunder, dass sich in den 60er Jahren alle großen Musiker des Genres bei diesem Plattenlabel am wohlsten fühlten.

Auch zu Postpunk bietet die Schau eine eigene Sektion. Lokaler Flair wird durch Schweizer Künstler präsentiert. Hier haben sich die Kuratoren beispielsweise für Yello oder Stephan Eicher entschieden und das Programm aus Arles erweitert.

Interessant ist auch die Abteilung „Verbotenes“. Nicht wenige Cover fielen in der Geschichte der Sleeves der Indizierung zum Opfer. Und gelangten oftmals so zu großer Berühmtheit. Gut gemacht ist, dass das Originalcover zu sehen ist und zusätzlich das vom Label aufdiktierte „saubere“ Motiv. Was war der Stein des Anstoßes – und wie wurde die Zensur gestalterisch gelöst.

Auf der Homepage des Fotomuseums www.fotomuseum.ch gibt es weitere Informationen zu der Ausstellung und das Rahmenprogramm mit interessanten Führungen und Workshops.

Zu sehen ist Total Records – Vinyl und Fotografie bis zum 16. Mai 2016

Dienstag – Sonntag 11–18 Uhr, Mittwoch 11–20 Uhr, Montag geschlossen

Wer einen Eindruck über die Ausstellung in Arles bekommen möchte: Video auf Vimeo zur Eröffnung des Fotofestivals.

 

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