Vinyl der Woche: Jóhann Jóhannsson – Orphée

Er wurde bekannt mit seinem Soundtrack für Prisoners, momentan schreibt er die Musik für das langersehnte Sequel zu Blade Runner. Nun hat Jóhann Jóhannsson sein erstes Album seit sechs Jahren veröffentlicht.

Jóhann Jóhannsson, Orphée, deutsche Grammophon, Vinyl

 

Artist: Jóhann Jóhannsson

Name: Orphée

Label: Deutsche Grammophon

Release: 16. September 2016

Fotografie: Jónatan Grétarsson

 

Sechs Jahre hat sich Jóhann Jóhannsson Zeit genommen, um dieses Album fertigzustellen. 2009 begann er mit einzelnen Aufnahmen, Streicher-Sequenzen, lose Themen. Als einer der erfolgreichsten Filmmusik-Komponisten hat er viel zu tun. Zuletzt gewann er einen Golden Globe für seinen Score zu Die Entdeckung der Langsamkeit. Für Aufsehen sorgte auch die Meldung, dass er für die Fortsetzung von Blade Runner den Soundtrack kreiren wird.

Doch während Jóhannsson an OSTs arbeitet, nimmt er sich nach eigner Aussage 50 Prozent seiner Zeit, um sein eigenes Materail zu realisieren.
Die Ruhe, den eigenen Ideen Raum zu geben und ohne Deadline und Druck zu arbeiten, hört man dem Konzeptalbum an.

Weil sich der Isländer dieses Mal dafür entschied, auch Vocals zu vewenden, bahnten sich Ovids Metarmophosen ihren Weg in seinen künstlerischen Kosmos.

orphee-lp-front

Entstanden sind 15 Stücke, die sich völlig frei zwischen Filmmusik, klassischem Minimalismus, Ambient und elektronischer Musik bewegen.
Inspiration fand Jóhannsson dabei nicht nur bei dem römischen Über-Dichter, sondern auch bei Jean Cocteau. So mischt er Morsecodes mit Chorälen, thematisiert Liebe wie Tod und wandelt in einer wunderbar verblasten Welt.

Jóhann Jóhannsson, Orphée, Vinyl, Cover
Die Rückseite mit der Fotografie von Jónatan Grétarsson

Die 180g Vinyl-Ausgabe ziert die Fotografien von Jónatan Grétarsson. Die beiden Isländer haben sich in die karge wie monochrome Weite ihres Heimatlandes zurückgezogen um eine Metapher für den Klang dieses Werkes zu erschaffen.

Credits: © Jónatan Grétarsson / DG (über Universal)
© Jónatan Grétarsson / DG (über Universal)

Zurückgenommen, atmosphärisch und vielschichtig präsentiert sich das Artwork. Ähnlich wie die Musik, die sich langsam aufbaut und ihre fragilen Fragmenten mit Solocello, Orgel, Streichquartett, Streichorchester und A-cappella-Gesang ertastet, gibt das Sleeve bei längerem Betrachten immer weitere Ebenen frei.

In dem Video zu By The Roes, And By The Hinds Of The Field, eine wunderschöne Adaption des Hohelieds, streifen Tiere durch ein verlassenes Chalet bei Berlin. Máni Sigfússon zaubert eine bildstarke Ästhetik zu diesem zarten Musikstück. Der islnändische Videokünstler hat eine Faszination für das Schöne im Dunklen und realisierte Die Vision des Komponisten eines von der Natur zurückeroberten preussischen Anwesens.

Máni Sigfússon auf Vimeo
jonatangretarsson.com

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