Ausstellung: Total Records in Berlin

Ein Zebrastreifen, ein schwimmendes Baby, ein nackter Mann auf einer Orchidee. Fotografien, die zu Ikonen wurden und Musik ein Bild gaben. Die Ausstellung Total Records ist nun erstmal ins Deutschland zu sehen. Eine Geschichte der Fotografie im Prisma der Vinylscheibe.

Total records, Berlin, Der Zebrastreifen und Abbey Road der Beatles, das schwimmende Baby und Nirvanas Nevermind – Plattencover haben Musikalben zu Ikonen gemacht. Über einen Wiedererkennungswert hinaus haben sie Identität gestiftet und Bild wie Inhalt untrennbar miteinander verknüpft. Meisterwerke auf 31,5 x 31,5 cm. Nach Arles und Winterthur, ist die Ausstellung nun zum ersten Mal in Deutschland zu sehen.

Von 1960 bis in die 2000er

Anhand visueller Klassiker sowie unbekannter Cover zeichnet die Ausstellung „Total Records“ die Musik- und Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts auf einzigartige Art nach. Die Liste der Künstler in der Ausstellung liest sich wie ein Who is Who der besten Fotografenmit zum Teil überraschenden, künstlerischen Zusammenarbeiten wie etwa Helmut Newton und INXS, Herb Ritts und Madonna, Annie Leibovitz und Cindy Lauper, Nobuyoshi Araki und Björk, Weegee und George Michael, Jean-Paul Goude und Grace Jones, Irving Penn und Miles Davis oder Ryan McGinley und Sigur Ros. Als Experimentierfläche für fotografische Techniken und künstlerische Strömungen hinterließen auch bildende Künstler wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Dieter Roth ihre Spuren auf Vinyl.
Die Ausstellung zeigt nicht nur, wie die Musik die Gestaltung der Sleeves bedingt. Es wird auch die Geschichte der Plattencover erzählt. Die Entwicklung des Formats als eigenes Sujet durch den Lauf der Zeit.

500 Sleeves haben die Kuratoren Antoine de Beaupré, Serge Vincendet und Sam Stourdzé zusammengestellt. Fast ebensoviele Fotografen, Designer und Maler sind in der Ausstellung zu sehen. Dabei werden nicht nur die Cover gezeigt, sondern auch die Entstehungsgeschichten hinter den quadratischen Kunstwerken offenbart.

Jean-Baptiste Mondinos Artwork für das 1988 erschienene Album Lovesexy von Prince ist ausgestellt. Das Artwork zeigt den nackten Künstler auf Orchideen sitzen, die Blütenstempel sind prominet gesetzt. Das Werk erreichte Kultstatus – Grund war auch das provokante Design, das gerade im prüden Amerika hohe Wellen schlug. Dazu erklärt sich der Fotograf in einem Video und gibt die Entstehungsgeschichte des Bildes wieder.

Prince, Lovesexy, Vinylorchids
Mondino fotografierte Prince für sein Album Lovesexy. In Amerika lief es wegen der nackten Haut oft nur unter der Ladentheke.
Von Zufällen und Zensuren

Die Ausstellung ist in thematische Kapitel unterteilt, die verschiedene Aspekte dieser speziellen Kunstform zwischen Musik und Fotografie beleuchten. So werden Schnittstellen und Begegnungen aufgezeigt, durch die erst Musik und Konzept eines Albums in originale und originelle visuelle Kreationen übersetzt wurden. Viele Cover waren gar keine Auftragsarbeiten, sondern die Musiker selbst durchstöberten auf der Suche nach dem treffenden Motive die gesamte Bildgeschichte. Interessant ist auch, dass oft ikonische Albumbilder selbst gecovert werden und so durch bewusste visuelle Referenzen und humoristische Zitate künstlerische Verbindungen aufgezeigt werden. Zu nackt, zu brutal, zu provokant – immer wieder suchten Musiker über Bilder Skandale und kamen durch Zensur in die Schlagzeilen. Gleichzeitig dienten Schallplattencover immer auch dazu, einen bestimmten politischen Standpunkt zu vertreten: So wird das Album zu einem wichtigen Propagandainstrument, beispielsweise gegen den spanischen Bürgerkrieg beziehungsweise für den palästinensischen Widerstand und die kubanische Revolution. Bei Genres wie etwa Jazz steht nicht die Schaffung von Images einzelner Künstler, sondern oft die Strahlkraft des jeweiligen Labels als Ganzes oder eine spezielle Serie von Releases im Vordergrund.

Zu sehen ist Total Records – Vinyl und Fotografie bis zum 23. April 2017

Öffnungszeiten: Täglich 11–20 Uhr.

C/O Berlin Foundation
Amerika Haus
Hardenbergstraße 22–24
10623 Berlin

co-berlin.org/total-records

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