Buchtipp: Arne Reimer: Long Play

Zehn Jahre streifte der Fotograf Arne Reimer durch alte Schallplattenläden und dokumentierte eine langsam schwindende Ära. Behutsam zeigt er so nicht nur das Porträt eines Mediums, sondern auch von Menschen– Sammlern aus Europa und den USA. Hier erzählt er, wie es dazu kam.

Kann man wahre Zuneigung in einem Bild konservieren? Verehrung, Wertschätzung, Fürsorge in einer Momentaufnahme für immer festhalten? Ja, Arne Reimer kann. Der aus Leipzig stammende Fotograf hat in seinem gerade erschienenen Bildband Long Play die Liebe zu Schallplatten festgehalten.

In den letzten zehn Jahren hat Reimer Plattenläden und Plattensammler in Europa und den USA besucht und einen behutsamen Blick auf eine langsam schwindende Ära geworfen.

Für die Nachwelt festhalten

„Der Ausgangspunkt dieser fotografischen Serie vor zehn Jahren war, dass ich merkte, wie einige Plattenläden in den USA eingingen“, beschreibt er seine Intention. „Ich wollte sie fotografisch dokumentieren, sozusagen festhalten für die Nachwelt, weil sie wichtige Orte waren und sind für die Verbreitung des einst dominanten Medium: der Schallplatte.“
Klar, dass auch seine eigene Faszination nicht nur zu Musik, sondern zu diesem besonderen Tonträger eine Rolle spielte: „Als leidenschaftlicher Musikfan kommt man um Vinyl nicht drum herum, denke ich…Ich bin mit den Platten meiner Eltern aufgewachsen.“

Also machte sich der 44-Jährige auf, die Magie, die jenen Orten innewohnt, einzufangen. Stapel mit Plattencovern, gedankenverlorene Menschen, sich unter der Last der Schallplatten biegende Regale – den vorwiegend farbigen Fotografien wohnt eine Melancholie inne, die weit jenseits von Kitsch und Nostalgie rangiert.

„Mich haben immer die alten Läden interessiert, die etwas Patina haben, da sie visuell einfach reizvoller sind. Die Zeit scheint in ihnen stehengeblieben zu sein“, beschreibt der auch als Journalist tätige Fotograf die Auswahl seiner Plattenläden.

Menschen hauchen diesen Orten Leben ein

Doch gerade die Porträts der Sammler im Dialog mit den unbelebten Bildern machen den Reiz dieser Publikation aus. In Reimers Worten: „Sie sind letztlich die Menschen, die solche Läden beleben, weil sie dort suchen, diggen.“

Mit Menschen, denen Musik weit mehr als ein Zeitvertreib ist, nahe zu kommen, hat der Bildkünstler Erfahrung. Sein Bildband American Jazz Heroes zeigt die Musiker der US-Szene in ihrem privaten Umfeld. Der Erfolg war so groß, dass er im letzten Jahr einen zweiten Band veröffentlichte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s